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Moralisch einwandfreies Wirtschaften. Eine Grundsatzfrage.

Sonntag, den 18. April 2010 um 11:02 Uhr
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Milton Friedman sagte einmal „the business of business is business“, doch in den Zeiten der Finanzmarktkrise stellt sich die Frage, ob das reine Profitstreben der Unternehmen wirklich das oberste Ziel sein kann. Vielmehr müssen bei dem Treffen von Geschäftsentscheidungen auch die Auswirkungen auf die Umwelt, die Mitarbeiter, sowie weiterer Interessengruppen beachtet werden. Wie kann also eine verantwortungsvolle Unternehmensführung herbeigeführt werden? Bei der Beantwortung dieser Frage hilft die Wirtschaftsethik, welche versucht moralische Normen und unternehmerisches Verhalten zu integrieren. Die aus ethischer und wirtschaftlicher Sicht notwendigen dauerhaften Rahmenbedingungen sind vom Staat zu schaffen und werden innerhalb der Ordnungsethik behandelt. Der Gesetzgeber erlässt entsprechende Bestimmungen. So wurde in Deutschland der sogenannte Corporate Governance Kodex etabliert.

Neben dem Staat sollten jedoch vor allem auch Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Die Unternehmensethik beschäftigt sich mit den unternehmensinternen Richtlinien, die für das Agieren in der Gesellschaft notwendig sind. Eine Unternehmenskultur wird nicht nur schriftlich fixiert sondern soll gelebt werden. Unternehmen stellen intern über ihren Business Code of Conduct sicher, dass sich ihre Mitarbeiter korrekt verhalten und moralisch bedenkliche Entscheidungen nicht fällen können, ohne harte Konsequenzen zu erwarten. Somit entspricht in ethischen Konfliktsituationen das moralisch richtige Verhalten gleichzeitig dem regelkonformen Verhalten.

Korruptionszahlungen stellen für Mitarbeiter häufig einen solchen moralischen Konflikt dar. Ein Mitarbeiter muss sich dann entscheiden, ob er zum Wohl seiner Karriere und Sicherung seines Arbeitsplatzes die Zahlung veranlasst, oder dies aufgrund von Gewissensbissen ablehnt. Im Idealfall hält er jedoch Rücksprache mit seinem Vorgesetzten und zieht den firmeninternen Ethikkodex zu Rate. Dieser wird die Korruptionszahlung verbieten und löst somit das Dilemma auf Individualebene.

Entgegen der oft vertretenen Ansicht, Gewinn und Gewissen würden im Widerspruch zueinander stehen, zeigt sich in letzter Zeit, dass ein Wertemanagement den Unternehmenserfolg positiv beeinflusst. Die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter steigt während die Schäden durch Diebstähle, Unterschlagungen und Betrug eingedämmt werden.

Es hat jedoch den Anschein, dass es an der nötigen Sanktionierung von Verstößen gegen die erlassenen Kodizes mangelt, die auf die meist fehlende Verbindlichkeit dieser zurückzuführen ist. Wie kann nun ein Zustand erreicht werden, in dem ein solcher Kodex wie selbstverständlich verfolgt und eingehalten wird?

Die studentische Unternehmensberatung Consulting Network e.V. nahm Ende des vergangenen Jahres an einer Vortragsveranstaltung teil, die sich diesem Thema widmete. Inspiriert von diesem Vortrag und durch weitere Diskussionen möchten wir nun Ihnen die Frage stellen: Wie tragen Sie zu moralisch einwandfreiem Verhalten am Arbeitsplatz bei? Reicht es aus, durch vorbildhaftes Verhalten ein Exempel zu setzen oder sollten sich die Entscheidungsträger um verbindlichere Regelungen kümmern?

Gießener Zeitung, 18.04.2010
 

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